Inklusion umgekehrt – was ist das?

Mit dem Begriff Inklusion können inzwischen viele Menschen etwas anfangen. Kurz zusammengefasst geht es um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft. Einer der Orte, wo sie besonders wichtig ist, ist die Schule. Wenn wir uns Sonder- und Förderschulen bzw.

SBBZs anschauen können wir aktuell aber noch etwas anderes beobachten. Es gibt immer mehr Kinder und Jugendliche ohne Behinderungen die SBBZs besuchen. Die Eltern versprechen sich hiervon einen direkten Kontakt ihrer Kinder mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen und den Abbau von Berührungsängsten. Von den Pädagog*innen die an den Schulen tätig sind wird für dieses Modell der Begriff Inklusion umgekehrt ins Feld geführt. Gemeint ist hiermit, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderung eben nicht in das „reguläre“ System überführt und integriert werden. Sondern, dass es im wahrsten Sinne des Wortes umgekehrt passiert und die Kinder und Jugendlichen ohne Behinderungen in das System der Behindertenhilfe kommen.

Die Idee, hört sich in der Theorie sehr schön an, weil davon ausgegangen wird, dass so Inklusion entsteht. Doch die Frage steht im Raum: inwieweit das Modell zu gesellschaftlichen Strukturveränderungen führt, weil die Sondereinrichtungen als Institutionen erhalten bleiben? Inklusion umgekehrt kann somit also zu Austausch und Kontakten von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen führen. Doch entstehen in diesem geschützten Rahmen wirklich nachhaltige Effekte?

Verfasst von Matthias Nagel

 

 

Text in Leichter Sprache:

Inklusion umgekehrt.
Was bedeutet das?

Inklusion bedeutet:
Alle Menschen gehören dazu.
Auch Menschen mit Behinderung sollen überall mitmachen können.
Das ist besonders wichtig in der Schule.

Für Kinder mit Behinderung gibt es besondere Schulen.
Das sind Sonder-Schulen oder Förder-Schulen.
Diese Schulen heißen:
Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren.
Das kurze Wort dafür ist: SBBZ.

An diesen Schulen passiert gerade etwas Neues:
Immer mehr Kinder ohne Behinderung gehen auf diese Schulen.
Die Eltern wollen,
dass ihre Kinder zusammen mit Kindern mit Behinderung lernen.
Und sie sollen keine Angst vor Menschen mit Behinderung haben.

Lehrerinnen und Lehrer nennen das: Inklusion umgekehrt.

Inklusion ist:
Kinder mit Behinderung gehen auf Schulen für alle Kinder.
Inklusion umgekehrt ist:
Kinder ohne Behinderung gehen auf Sonder-Schulen oder Förder-Schulen.

Die Idee klingt gut.
Kinder mit und ohne Behinderung lernen und spielen zusammen.
Viele Menschen denken: So entsteht gute Inklusion.

Aber:
Die Sonder-Schulen gibt es immer noch.
Und diese Schulen sind ein geschützter Ort.

Deshalb gibt es eine wichtige Frage:
Kann Inklusion umgekehrt unsere Gesellschaft wirklich verändern?
Hilft Inklusion umgekehrt dabei, dass es mehr Inklusion gibt?
Oder:
Brauchen wir noch mehr gemeinsame Angebote
für alle Kinder und Jugendlichen?

 

 

Übersetzung in Leichte Sprache und Verständlichkeitsprüfung:
© 1a Zugang gGmbH, capito Stuttgart